Abspielring bald digital

5. Juni 2011 by  

Abspielringe basieren auf der Grundidee, dass eine Filmkopie einmal das Lager verlässt, anschließend wochenlang zwischen Kinos hin- und hergeschickt und am Ende wieder ins Lager versendet wird. Dadurch hat der Verleih relativ wenig Aufwand, kaum Versandkosten und dennoch ein Maximum an „Kinoausbeute“.

So war es bisher und so wird es sicherlich auch noch ein paar Jahre weitergehen. Aber die Digitalisierung der Leinwände schreitet voran und es stellt sich die Frage, wie das System der Abspielringe im digitalen Zeitalter fortgeführt werden kann.

In den letzten Monaten haben immer mehr Kinobetreiber nach einem digitalen Abspielring z.B. für Filmkunst gefragt und langsam wird es tatsächlich nötig, zumindest über eine digitale Kopie nachzudenken. Viele Betreiber haben inzwischen ganz oder größtenteils auf eine digitale Projektion umgestellt, wollen aber auf das allwöchentliche Angebot an Filmkunst nicht verzichten. Bisher mussten diese Kinos extra für den Filmkunst-Tag noch 35mm Kopien beziehen und damit arbeiten. Digitales Trailern war schwer und das Einbinden in den digitalen Alltag ist nicht wirklich angenehm.

Deshalb soll zumindest den Kinobetreibern ein digitales Abspiel ermöglicht werden, die es wünschen.

Die Agentur Kulturprojektor ist deshalb z.Zt. dabei, mit den kooperierenden Verleihern die Konditionen für einen digitalen Abspielring zu eruieren.
Grundsätzlich besteht große Bereitschaft, gemeinsam ein neues Modell zu entwickeln, aber die beteiligten Filmverleiher haben zumeist noch keine Möglichkeiten gehabt, sich mit den Abspielringen überhaupt auseinander zu setzen und gerade für die Schlüsselübermittlung ein Preismodell zu entwickeln. Aktuell wäre ein Abspielring digital auf Grund der individuell zu versendenden Schlüssel noch kostenintensiver als ein analoger Abspielring.

Man darf aber optimistisch sein, dass bis zum Herbst ein für alle gangbarer Weg gefunden wird.

Grundvoraussetzung für die Kinos ist derzeit

– DCI-Zertifizierung der Anlagen
– Projektionsanlage wurde nicht als Third-Party-Modell finanziert

Nach dem aktuellen Stand der Dinge sind Teile der Abspielringe geprägt von Major-Produktionen, bzw. Major/Studio-Verleihern. Wenn man auf diese Filme nicht komplett verzichten möchte, ist man leider auf die DCI-Zertifizierung angewiesen (ob sinnvoll oder nicht).

Um aber auch den „kleinen“ und „unabhängigen“ Verleihern eine Chance geben zu können, ist es umgekehrt wichtig, dass die Anlagen selbst finanziert wurden bzw. nicht mit Hilfe sogenannter Drittanbieter. Dies würde auf Grund überzogener Print Fees derzeit einen wichtigen Teil des Programms ausschließen.

Wenn es wirklich soweit sein sollte, dass alle für die Agentur relevanten Verleiher dabei sind, werde ich mich wieder melden.

Bis dahin empfehle ich folgende Seiten mit Grundinfos zur Digitalisierung der dt. Kinos:

Informationen der Filmförderungsanstalt (Link)

Sachstandsbericht der FFA 2009 (Link)

Interview m. Christian Bräuer (AG KINO) in der EPD-Film (Link)

Stellungnahe der AG Verleih zur Digitalisierungsförderung (2010) (Link)


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